Let's talk about … Corona

Kategorie: Husker sagt Veröffentlicht: Mittwoch, 03. Juni 2020

Hallo, hier ist Clayton Husker, eure Fachkraft für exzessives Dosensammeln und gepflegte Klopapierhortung. Wir haben jetzt Anfang Juni im ersten Coronajahr - und es hat den Anschein als wär nix gewesen.

 

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In Berlin feiern Tausende eine Schlauchbootparty und in ehemals Karl-Marx-Stadt demonstrieren die Rechten öffentlich dagegen, dass man ihnen "wegen Corona" das Grundrecht, öffentlich zu demonstrieren, nimmt. In den USA revoltieren rechte und linke Extremisten mitten in einer Pandemie, weil ein Afroamerikaner während einer Festnahme gestorben ist. Die Schwurbelsänger und Tofuterroristen in Deutschland lamentieren von Impfdiktaturen und Illuminatenherrschaft, während Verschwörungshyliker aller Coleur Donald Trump als den größten Erlöser seit seit der Levantetournee des Zimmermanns mit seinen Fischerchören feiern. Hab ich irgendwas ausgelassen? Wahrscheinlich.

All diese Leute, die da lautstark postulieren, wir würden uns vor einer Grippe verstecken, übersehen eines: Wir befinden uns derzeit in einer Pandemielage mit weltweit über 6 Millionen Infizierten und 380.000 Toten. Und der zweifelhafte Spaß ist noch lange nicht vorbei, möglicherweise beginnt er erst. Die SARS-CoV-2 Lage stellt eine ernstzunehmende Bedrohung der Weltgesundheit dar. Wer das relativiert oder sich gar darüber lustig macht, der unterschätzt möglicherweise die tatsächliche Situation und die möglichen bis wahrscheinlichen Szenarien, die sich daraus ergeben.

Ich habe durchaus Verständnis dafür, wenn die Bürger ein wenig konfus auf diese Bedrohungslage reagieren. Immerhin ist so ein Virus ziemlich klein, quasi unsichtbar, und wenn Grafiker und Karikaturisten sich nicht solche Mühe machen würden, hätten wir gar kein Bild davon im Kopf. Unsichtbare Bedrohungen verwirren nämlich unseren Wahrnehmungsapparat. Das war 1986 bei der Chernobyl-Katastrophe nicht anders. Man sieht es nicht, hört es nicht, riecht es nicht. Was soll da sein?

Unser Gehirn neigt dazu, nicht vorhandenes Bildmaterial durch Platzhalter zu ersetzen, und so nimmt Bill Gates als jemand, der sich in der Bekämpfung von Pandemien engagiert, den Platz des Bösewichts ein und weil Frau Merkel (stellvertretend für die Ministerpräsidenten der Länder) uns den Gang in die Lieblingskneipe verbietet, ist sie automatisch mit im Boot der bösen Menschen.

Als im März die ersten Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionsketten beschlossen und umgesetzt wurden, schreckten die Bürger unseres wohlversorgten Landes aus ihrem Konsumschlummer auf, stand doch immerhin in Aussicht, dass der Toilettengang in Zukunft eventuell mit einem Waschlappen enden müsste, statt mit sechslagigem Duftpapier. In der Folge konnte man in Deutschland etwas beobachten, dass es schon sehr lange nicht mehr gegeben hatte, nämlich Panikkäufe in einem Ausmaß, das schon etwas Beunruhigendes hatte.

Als Prepper lupft man in einem solchen Moment die Augenbrauen, geht nochmal im Geiste die eigenen Vorräte durch und rührt gelassen den Kaffee um. Was für den durchschnittlichen Fernsehzuschauer als Panik erzeugendes Ereignis daher kommt, lässt Prepper nicht einmal unruhig werden. Woran liegt das?

Nun, zum einen liegt es daran, dass die Coronalage keine Katastrophe ist, sondern allenfalls das, was Prepper als KRISE MITLERER DAUER bezeichnen, also eine temporäre Veränderung der Lebensumstände ohne einen kompletten Zivilisationsausfall. Prepper sind auf so etwas vorbereitet, deswegen nennen sie sich ja so.

Zum anderen zeichnen sich Prepper durch eine erhöhte Resilienz aus, sie sind also geistig widerstandsfähiger als der Normalbürger und verfügen über mehr Möglichkeiten der Problemlösung, wir bezeichnen das als Capability und Intentness. Vorbereitung, Handlungsfähigkeit und Entschlusskraft zeichnen den Prepper aus.

In der Preppergruppe, die ich bei Facebook administriere, kam deshalb keine Panik auf, als die Eindämmungsmaßnahmen bekanntgegeben wurden. Die Gruppenmitglieder tauschten sich in gut sortierten Thementhreads über ihre Erfahrungen aus und unterstützten einander gegenseitig. Erwartungsgemäß fanden sich in den Postings und Kommentaren auch so gut wie kein Verschwörungsgeschwurbel und auch keine Hetzrede gegen die Regierung, Bill Gates, den Deep State oder amerikanische Milliardäre.

Das hätte ich mir eigentlich für unser ganzes Land so gewünscht, diese Hoffnung allerdings wurde von meinen Landsleuten bitter enttäuscht. War ich doch bisher stets davon ausgegangen, dass in Krisenzeiten die Menschen zusammenhalten und gemeinsam nach Lösungen suchen, musste ich erstaunt bemerken, dass ein nicht geringer Teil der Bevölkerung begann, sich wie trotzige Kinder aufzuführen, denen im Sandkasten das Schäufelchen weggenommen wird. Angestachelt von Leuten wie diesem antisemitischen Radiomoderator mit dem bösen Blick verfielen die Leute - vorwiegend in den größeren Städten - dem Wahn, man wolle ihnen ihre durch das Grundgesetz garantierten Grundrechte nehmen oder eine Art von Impfdiktatur errichten.

Dabei fiel ihnen gar nicht auf, dass sie zweifelhaften Rattenfängern hinterherliefen. Der Radiosprecher, der da auf den Demos gegen die Mund-Nase-Bedeckungen wetterte, trug selber so eine Schnutenbüx (heimlich, versteht sich!) und die größten Schreihälse, die sämtliche Plattformen im Netz mit ihrem Sermon pflasterten, stellten sich später als extrem verwirrte Menschen mit übersteigerter Geltungssucht heraus.

Doch das Volk, voller Angst vor dem unsichtbaren Feind namens Corona, schloss die Reihen hinter diesen Demagogen dicht, weil diese ihnen ein Feindbild gaben. Seit Edward Bernays seine Werke über Propaganda auf den Büchermarkt warf, wird diese Technik professionell eingesetzt, auch ein Herr Goebbels hat das immer wieder gern getan. Und heute wie damals ist das Volk verführbar. Einziger Lichtblick ist, dass nicht mehr Millionen solchen Volksverführern hinterher rennen, sondern nur noch ein paar Tausend. Es gibt also noch Hoffnung.

Dennoch sehe ich die aktuelle Entwicklung mit Sorge. Die Einschränkungen werden vorsichtig zurückgenommen und das nach Normalität hungernde Volk fällt wie Heuschreckenschwärme in den Ostseebädern und Einkaufszentren ein, was über kurz oder lang die Infektionsdichte wieder erhöhen wird. Von Vernunft also keine Spur. Und wieder sind es die Prepper, die durch Besonnenheit, verhaltene Reaktionen und vorsichtigen Umgang mit der Rückkehr zur Normalität auffallen.

Ich würde mir wünschen, dass sich daran möglichst viele Menschen ein Beispiel nehmen. Dass sie sich über die aktuelle Lage informieren und die Quellen vergleichen. Natürlich sind sich nicht alle Wissenschaftler einig, wenn es um die Bewertung von Risiken geht, das ist das Wesen der Wissenschaft. Aber angesichts einer Bedrohung durch eine Viruspandemie ist es durchaus sinnvoll, vorsichtig und mit Bedacht zu handeln.

Übrigens: Ebola galt lange als besiegt. Vorgestern ist es im Kongo erneut ausgebrochen.

Also, Leute, bleibt gesund!

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