Aus dem eigenen Garten preppen

Lang haltbare Vorräte sind im Zuge der Krisenvorbereitung gut und nützlich, keine Frage. Aber auch und besonders frisch zubereitete Nahrung macht die Krise erträglicher. Die Beschäftigung im Garten, und sei er noch so klein, lässt uns kritische Situation besser durchstehen.

prepper gardening

Diesen Text kannst du dir von Clayton Husker vorlesen lassen
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Der beste Weg, Nahrungsmittel von höchster Qualität aus kontrolliertem Anbau zu erhalten, ist, sie schlichtweg selber anzubauen. Freilandgärten, Hochbeetbatterien und auch hydroponische Anlagen versorgen uns bei guter Pflege zuverlässig mit Nährstoffen, wobei letztere einen enormen Wirkungsgrad erreichen können, da die Wasserbehälter zusätzlich mit Schalentieren und Fischen bestückt werden können.
In der Hydroponik werden die Pflanzen ohne Substrat in nährstoffreichem Wasser gezogen, wobei dann gewissermaßen die untere Etage zusätzlich genutzt werden kann. Überhaupt ist das Halten von Nutztieren für eine optimale Nährstoffversorgung wichtig, wenn es sich denn umsetzen lässt.

Für das Preppen im kostenextensiven Rahmen ist das Bestellen von Land und die Urerzeugung ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitungen. Grundsätzlich ist es möglich, einen großen Teil des Nahrungsmittelbedarfs im eigenen Garten anzubauen und die Ernte dann z.B. durch Einkochen haltbar zu machen. Auch der Genuss frischer Lebensmittel ist gesund und die Gartenarbeit fördert ein gesundes Verhältnis zur Natur.

Nun ist Garten nicht gleich Garten. Es gibt Minigärten auf Balkonen und es gibt Gärten, die schon fast den Charakter eines landwirtschaftlichen Betriebes besitzen.
Der zur Verfügung stehende Platz soll optimal genutzt werden. Eine besonders attraktive Methode ist hier zum Beispiel der oberirdische Vertikalanbau, dabei werden kleinwüchsige Pflanzen (Salat, Erdbeeren usw.) in Regalsystemen z.B. in ausgedienten Brotkörben angebaut, was die Anbaufläche vervielfachen kann.

Vertikalanbau im Garten

Große Brotkörbe lassen sich in Kartoffelanbaukisten verwandeln. Dazu werden sie zu 2/3 mit Kompost und Erde befüllt, dann eine Schicht Stroh eingelegt, dann werden Setzkartoffeln hineingegeben und mit Stroh überdeckt, zum Schluss wieder eine Erdschicht. Wenn die Keime aufwachsen, wird immer wieder Kompost hinzugegeben („Anhäufeln“). Nach einigen Wochen, wenn das Kartoffelkraut vertrocknet ist, befinden sich im Korb viele ausgereifte Kartoffeln.
Viele Beerenobststräucher (z.B. Johannisbeeren, Josta) lassen sich bequem per Steckling vermehren, man muss also nicht andauernd neue Pflanzen kaufen, um den Bestand zu vergrößern. Es ist sinnvoll, hier auf sog. alte Sorten zurückzugreifen, da diese sich als robust und widerstandsfähig erwiesen haben.
Zierhecken ersetzt man durch Beerensträucher, Erdbeeren passen als Bodendecker in jedes Beet (besonders die wachstumsfreudigen Walderdbeeren), auch in Töpfen gedeihen viele Obst- und Gemüsesorten. Ich selbst nutze neben den klassischen Beeten Brotkörbe, Kisten, Fässer, sogar Regenrinnen als Pflanzgefäße und bemühe mich, Lücken in der Bepflanzung mit Kräutern (auch Wildkräuter) zu schließen.

Angebaut wird, was uns schmeckt, sich gut konservieren lässt und was ergiebige Ernte verspricht. Sogenannte Starkzehrer wie z.B. Tomaten müssen regelmäßig gedüngt werden, hier kann durchaus Brennesseljauche oder Eigenurin (1:10) verwendet werden. Auch eingeweichter Kleintiermist kann per Gießkanne verabreicht werden. Eine abwechslungsreiche Fruchtfolge sollte unbedingt geplant und eingehalten werden. Natürlich steht uns in einer längerfristigen Krise nicht jede Menge Dünger zur Verfügung, sodass das Anlegen eines Komposthaufens und die Nutzung einer adäquaten Komposttoilette angeraten sind. (Link)

Der Komposthaufen sollte mit sämtlichen Biomaterialien „gefüttert“ werden, die im Haushalt und Garten anfallen und nicht an die Nutztiere verfüttert werden. Optimal ist natürlich der Nährstoffweg: Küche - Hühner- oder Hasenstall, Komposthaufen, Beet. Der Kleintiermist wandert auf den Kompost, ebenso zerkleinerter Strauch- und Baumschnitt. Der Kompost sollte luftig, nicht matschig und mit gröberen Bestandteilen durchsetzt sein. Gelegentlich kann man den Kompost umschichten und durchmischen. Im Spätherbst wird er durchgesiebt und das im Sieb verbliebene Material für den neuen Haufen genutzt. Der fein gesiebte Humus wird in die Beete eingearbeitet. Falls nicht von Natur aus vorhanden, sollten Regen- oder Rotwürmer hinzugegeben werden.

Als Prepper sollte man sich grundsätzlich einen Vorrat an Saatgut halten, sinnvollerweise werden die Saattütchen vakuumiert eingeschweißt und kühl und dunkel gelagert. Ich packe die Saatgutpakete nacvh Themen, also EINTOPFGEMÜSE, WÜRZKRÄUTER, TEEKRÄUTER, HEILKRÄUTER, OBST usw., es macht jedoch auch Sinn, den Jahresbedarf nach eigenem Pflanzplan zu verpacken. Die meisten Saaten halten sich gut 3-5 Jahre, dann sinkt die Keimquote langsam.

Saatgut Prepping

Beim Saatgut achtet man nach Möglichkeit darauf, dass es sich um originäre Saaten handelt, also keine F1-Hybriden, die sich oft nicht vermehren lassen oder wo bei Selbstbestäubung bzw. Kreuzung mit anderen Sorten negative Effekte auftreten (z.B. der gesteigerte Cucurbitacingehalt in Zucchini, die aus Saat aufwachsen, die von einer Zucchini/Kürbis Kreuzung stammen.) Es gibt sehr gute Anbieter für Originalsaaten und alte Gemüsesorten bzw. Wildpflanzen im Netz.

In meinem Garten und am Haus nutze ich den Platz auf den IBC-Brauchwassertanks, um die Anbaufläche zu erweitern. Ich lege Paletten auf die Tankgitter und stelle Pflanzkästen darauf, in denen ich z.B. Paprika, Zucchini, Mangold, Salat, Tomaten usw. anbaue. Die Tanks werden dadurch beschattet und vom Gießwasser gekühlt und braune Nacktschnecken verirren sich nur selten in diese Höhe. Für die Krisenbewältigung ist unkonventionelles Denken gefragt!

IBC Tanks bepflanzen

Auch sollte man im Vorfeld das Veredeln von Obstgehölzen üben, denn dies erfordert einiges Geschick. Alternativ zu üblichen Gartengeräten eigenen sich zur Bodenbearbeitung auch ausgediente Maurerkellen. Zum Unkrautstechen lassen sich alte Küchenmesser nutzen. Um Löcher für Stecklinge (z.B. Josta) zu bohren, einfach eine Eisenstange und einen Hammer benutzen.

Obst, Gemüse und Kräuter lassen sich in jedem noch so kleinen Winkel anbaue, je mehr „Durcheinander“ im Garten herrscht, desto gesünder ist er als Lieferant für schmackhafte, gesunde Zutaten zu den Mahlzeiten.

Ein gutes und umfangreich illustriertes Gartenhandbuch darf in keiner Prepperbibliothek fehlen, man bekommt sie für kleines Geld auf den Kleinanzeigenseiten im Netz oder dem Flohmarkt.

Wer in einer Krise überleben will, muss in der Lage sein, zu improvisieren, deshalb sollte man Experimente im Garten nicht scheuen. Nur Mut!

Euer Clayton

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