NOTHILFE NETZWERK - eine Idee mit Zukunft?

Was können wir aus der Flutkatastrophe 2021 lernen? Wie können wir uns verbessern, um unsere Wirksamkeit in Krisen- und Katastrophenlagen zu verbessern? Einige Gedanken dazu.

Nothilfe Netzwerk iprep prep24

Ich habe in den letzten Tagen einige Beiträge zum Thema Katastrophenschutz, Nothilfe, Krisenlage und freiwillige sowie organisierte Helfer gepostet. Ich bin immer wieder erstaunt, wie offensichtlich emotional bewegte Menschen hunderte von Kilometern entfernt vom Ort des Geschehens den absoluten Überblick zu haben scheinen und sich herausnehmen, mich zu belehren und zu beschimpfen. Ich nehme mal an, dass sie damit ihrer subjektiv empfundenen Solidarität mit den Geschädigten, ihrer Bewunderung für medienaffine, handybewaffnete Helfer und ihrer Verachtung für organisierte ehrenamtliche Helfer der Katastrophenschutzverbände Ausdruck verleihen möchten. Wenn's hilft ...

Ich persönlich empfinde die größte Hochachtung und gehörigen Respekt gegenüber allen Menschen, die in den BOS und HiOrgs zumeist ehrenamtlich ihre Freizeit opfern, um anderen Menschen, die in Not sind, zu helfen. Ich selbst bin in einer KatS-Einheit organisiert und im Rahmen der Einsatzkräftebetreuung habe ich dramatische Feuerwehreinsätze erlebt, in denen die Kameradinnen und Kameraden ihr eigenes Leben in Gefahr brachten, um andere Menschen zu retten.

Ich respektiere ebenfalls, dass angesichts einer Katastrophe wie der Flut 2021 viele Menschen das Bedürfnis haben, spontan zu helfen und ich sehe im Netz eine überwältigende soziale Bewegung in der Gemeinschaft, die binnen kürzester Zeit Millionen Euro spendet und ganze Lagerhallen mit Sachspenden füllt. Sogar an Tiere und alles Mögliche wird gedacht, das ist phänomenal!

Viele Menschen waren bereit, alles stehen und liegen zu lassen, um den Geschädigten zu helfen und mit aufzuräumen. Sogar schwerstes Gerät wurde von Freiwilligen herbeigeschafft, um die Trümmer und den Schlamm zu beseitigen. Das ist ein großes Engagement, das es zu würdigen gilt. Doch gerade diese spontane und unorganisierte Hilfe kann auch zu einem Problem werden. Ich führte das in vorherigen Artikeln schon detailliert aus.

Wie ich bereits schrieb, ist es enorm wichtig, dass in der Einsatzbewältigung bestimmte Regularien eingehalten werden. Es kann nicht einfach jeder drauflos helfen, wie es ihm beliebt. Um die Lage nicht zu verschärfen und dadurch neue Gefahren zu initiieren, ist es erforderlich, dass Krisenstäbe und Einsatzleitung(en) EXAKT wissen, wer was wann wo macht! Das hat unlängst nicht funktioniert, weil Ströme von Hilfswilligen in das Krisengebiet einfgefallen sind, und mit Baggern und anderem Gerät ungeordnet begonnen haben, Material zu bewegen. Als dann die regulären Kräfte eintrafen und das taten, was nach ihren Regeln korrekt ist - nämlich Unbeteiligte aus dem Einsatzgebiet zu entfernen - war die Enttäuschung groß und empörte Maschinenführer begannen, die sozialen Netzwerke mit Empörungsvideos über angebliches Versagen der Krisenstäbe zu fluten, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung zu besitzen, was wirklich passierte, weil ihr Überblick den Fokus ihrer Handykamera nämlich nicht überstieg.

Tatsächlich haben die Stäbe bundesweit in 4 Tagen mehr als 20.000 professionelle Helfer mobilisiert, tausende Fahrzeuge, schweres Gerät und Rettungsmittel in die Bereitstellungsräume verlegt und sofort damit begonnen, diese in die Einsatzabschnitte zu verlegen, sogar mit Unterstützung des Heeres und der Luftwaffe. Da viel Material in den Bereistellungsräumen auf Einsatzaufträge wartete, wurden sofort Gerüchte laut, man würde ja "nichts tun". Einzelne Einheiten, die nicht gebraucht wurden, sandte man in die Heimatgemeinden zurück, um die dortige Einsatzbereitschaft nicht zu gefährden, was wiederum als Fehlentscheidung öffentlich ventiliert wurde. Das, mit Verlaub, ist vermessen! Die angeblich "nicht vorhandenen Helfer" haben von der ersten Minute an stets alles gegeben, bis zur Erschöpfung und zum Teil weit darüber hinaus. Die Einsatzleitungen und Krisenstäbe haben hervorragende Arbeit geleistet. Sicher gibt es Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge (z.B. im Bereich Kommunikation), aber das wird in den Nachbesprechungen thematisiert werden.

Auch die medial omnipräsenten Lohnunternehmer haben inzwischen offizielle Einsatzaufträge erhalten und ihr Einsatz wird ihnen finanziell vergütet, was sie allerdings nicht davon abhält, sich weiter - immer hübsch mit Firmenbranding auf dem Shirt - zu produzieren und zu Anwälten der Flutopfer zu machen. Das sorgt im Netz für ein völlig verzerrtes Bild, das ich selbst in den Reaktionen auf meine Beiträge erleben durfte. Kooperation sieht anders aus.

In all der unangebrachten Kritik gibt es einen Punkt, den ich unterstützenswert finde, nämlich den, dass man freiwillige Helfer einbinden sollte. Ich meine, es ist ja nicht so, dass es verboten wäre, zu helfen. Jede Hilfsorganisation freut sich über neue Mitglieder, bildet diese fachspezifisch aus und entsendet sie nur zu gern in den Einsatz, um anderen Menschen zu helfen. Das allerdings erfordert ein gewisses Maß an Verantwortungübernahme und Verbindlichkeit, ist also kein Event, in das man einsteigt, wenn es opportun scheint und das man sausen lässt, wenn man gerade keine Lust hat. Ehrenamt hat auch was mit Ehre zu tun.

So weit, so gut. Ich lebe in einem Landstrich, in dem einige Feuerwehren gemäß Landesfeuerwehrgesetz sogar schon Gemeindemitglieder zwangsverpflichten müssen, weil sie ihren Auftrag sonst nicht erfüllen können, mangels freiwilligen Mitgliedern. Doch plötzlich wollen alle helfen. Woher der Sinneswandel? Aber gut, damit muss man wohl leben in diesen Zeiten. Wohl auch damit, dass man als Ehrenamtler im Netz beschimpft wird, wenn man hilft.

Aber was ist mit den Helfern, die nicht nur zum Einsatzort pilgern, um ihre fragwürdigen politischen Botschaften darzustellen, wie es unlängst ein arbeitloser Lehrer mit Faschismushintergrund in Neuenahr tat? Was ist mit denen, die wirklich etwas bewegen können, aber aus unerfindlichen Gründen zu scheu sind, ihre Skills im THW, DRK, der Feuerwehr oder sonstwo organisiert anzubieten?

Die Idee dazu lautet: NOTHILFE NETZWERK!

Wir leben in einer volldigitalisierten Welt, in der nahezu jeder mindestens ein Handy, einen Computer oder vergleichsweise netzwerkgebundene Elektronikartikel bedient. Man müste im Grunde also nur ein Portal errichten, das eine Datenbank führt, in der sich Menschen, die helfen wollen und können, registrieren und ihr Profil angeben, also z.B.

  • Name, Wohnort, Passbild
  • Kontaktdaten, Handynummer, Emailadresse
  • Anmerkungen zu Kenntnissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten
  • Anmerkungen zu körperlicher Belastbarkeit und Konstitution
  • Auskunft über Mobilität, gewünschter Einsatzradius

Das Portal sollte jedem Helfer eine individuelle ID zuweisen und z.B. ein QR- bzw. Barcode generieren, der z.B. auf das Handy als Helferausweis geladen werden kann. Außerdem gibt es einen Helferausweis im Scheckkartenformat.

Diese Daten sind dem BBK, den autorisierten Krisenstäben und Katastrophenschutz-Dienststellen zugänglich. Im Falle einer Großschadenslage werden die betroffenen Gebiete konsequent abgeriegelt und nur Personen mit ID werden als "Helfer vor Ort" zugelassen. Alle in Frage kommenden Helfer erhalten eine elektronische Benachrichtigung, wenn sie gebraucht werden, der Einsatz ist grundsätzlich freiwillig.

Die Einrichtung einer solchen Software wäre nicht aufwändiger und erheblich günstiger als eine Coronaapp oder eine Kat-Warnapp. Sie wäre aus Bundesmitteln finanzierbar und sollte von einem schmalen Administratorenteam auf wenigen reduntant arbeitenden Servern verwaltet werden können. Sie könnte als Organisationsmittel des ZIVILEN KATASTROPHENSCHUTZES in Krisengebieten binnen kürzester Zeit zusätzliche Helfergruppen alarmieren, die den regulären Hilfsgruppen zur Seite stehen.

Es ist nur eine Idee...

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